Feminismus für alle! Wieso? [#klartext]

Aus Anlass des Internationalen Frauentags hat unsere stellvertretende Vorsitzende Dominique Freitag die Feder gezückt und ihre Gedanken zu Papier gebracht. In unserem neuen #Klartext-Blogbeitrag schreibt sie darüber, warum Feminismus soviel mehr sein muss als nur die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern zu thematisieren.
Heute ist Weltfrauentag, oder auch „feministischer Kampftag“, aber was bedeutet das überhaupt? Wieso eine neue Bezeichnung für einen Tag, den es doch schon gibt? Heute geht es nicht mehr nur darum, die Rechte von Frauen zu stärken, Feminismus ist viel mehr als das. Feminismus fordert eine gleichberechtigte Gesellschaft für alle Geschlechter. Dazu zählt natürlich auch der Mann, weswegen es mir unverständlich ist, dass viele Männer Feminismus nicht unterstützen.
Außerdem muss Feminismus auch intersektional sein. Intersektionalität bedeutet, dass Menschen verschiedene Diskriminierungsformen miteinander vereinen. Ich, zum Beispiel, bin eine Frau und habe eine Behinderung. Somit erfahre ich andere Formen der Diskriminierung, als beispielsweise eine schwarze Frau. Um all diese Diskrimierungsformen auszuschalten, benötigen wir ein Verständnis von Intersektionalität, was ich häufig bei Feminist:innen vermisse.
Ziel von intersektionalem Feminismus ist nicht eine Besserstellung der Frau ohne Rücksicht auf Verluste. Ziel ist es anzuerkennen, dass jede Frau und generell jede Person, die nicht weiß, männlich und heterosexuell ist, verschiedene Formen der Diskriminierung erlebt und auch einige –ismen in sich vereinen kann.
Wie können wir von Feminismus reden, wenn wir Frauen ausschließen, die Hijabs tragen? Sollten sie nicht selbstbestimmt entscheiden können, was sie tragen? Wie können wir ignorieren, dass mehr als doppelt so viele Frauen mit Behinderung von sexuellem Missbrauch betroffen sind? Tun wir das, weil wir Menschen mit Behinderung immer noch ihre Sexualität absprechen und wir nicht davon ausgehen, dass ein sexueller Missbrauch mit einem Machtverhältnis und nicht mit Optik zu tun hat?
Frauen mit Behinderung wird oft das Frau-Sein abgesprochen. Frauen mit Behinderung werden komisch angeschaut, wenn sie Kinder haben möchten, manche Gynäkolog:innen beraten sogar dahingehend. Frauen mit Behinderung werden durch ihre Behinderung in der Berufswelt zum großen Teil ausgeschlossen und gleichzeitig bleiben häufig nur die Jobs über, die schlechter bezahlt werden, weil sie Frauen sind.
Frauen mit Behinderung haben keine Sexualität, Frauen mit Behinderung sind nicht attraktiv, Frauen mit Behinderung werden erstaunt angeschaut, wenn sie sagen, dass sie eine Beziehung haben, mit einem Mann, der keine Behinderung hat. Ihm wird dann grundsätzlich Lob ausgesprochen. Ihm wird gesagt, wie großartig er ist, weil er ja eine Beziehung mit einer behinderten Frau eingegangen ist, weil er sich kümmert, weil er es gewagt hat, diese Beziehung einzugehen. Die Frau mit Behinderung steht meist daneben, ihr wird kein Lob ausgesprochen. Niemand weiß, dass sie der emotionale Pfeiler in der Beziehung ist. Niemand weiß, dass die Beziehung auf Augenhöhe geführt wird. Niemand weiß, dass die Beziehung nicht nur besteht, weil er einen Fetisch hat.
Deswegen ist es wichtig, dass beim Feminismus jede:r mitgenommen und berücksichtigt wird. Ein Feminismus der mich, als Frau mit Behinderung, oder schwarze Frauen oder Transpersonen ausschließt, ist nicht mein Feminismus. Dieser Feminismus reproduziert nur wieder patriarchale Strukturen und spielt dem System in die Hände. Moderner Feminismus muss intersektional und divers sein, er muss alle mitnehmen und jede Person muss sich darin wiederfinden können.